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Bauerfeind auf 3sat: die Moderatorin mit dem Fensterklick… Februar 7, 2009

Posted by etiennerheindahlen in 3sat, Fernsehen, Fernsehkritik, Innovations, Internet, journalism, Journalismus, Kult, Kultur, Media, Medien, TV, TV-Sendungen.
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Frl. Bauerfeind ist telegen – das steht ausser Frage. Sie wirkt jung, trendy und allein die Tatsache, dass sie ihren „media fame“ einem (seinerzeit) innovativen Web-TV-Window verdankt, prädestiniert sie zu einem möglichen Anchor für die längst zum Internet abgewanderte Gener@ion21.

Kultur – egal ob „Hochkultur“ (whatever that may be) oder Pop – ist aber ein glattes Parkett. Und auch im Kultur-Journalismus reicht es nicht, „irgendwie“ zur Szene der Kultouristen zu gehören.

Gut dran ist, wer in nach journalistischen Handwerksregeln (z.B. Recherche, Interviewtechnik, Empathie) geschustertem Schuhwerk sich festen Stand auf der glatten Kultur-Bühne verschafft. Vor allem, wenn er bzw. sie mit dem Anspruch, ebenso souverän wie faszinierend zu informieren und zu unterhalten, eine cross-mediale Freestyle-Performance auf’s Parkett legt. So ist „Bauerfeind“ (das Format) zwar optisch und strukturell ein durchaus faszinierendes Experiment.

Wenn das Format aber nicht nach drei oder vier Ausgaben in „der Zielgruppe“ (wie immer definiert) nach Quote und Relevanz durchfallen soll, dann wäre „der Bauerfeind“ (der TV Personality) eine ebenso experimentierfreudige wie (kultur-)journalistisch kompetente Redaktionsleitung zu wünschen. Denn letztlich mag nur der Mix aus Credibility, Authentizität u n d Kompetenz die Akzeptanz sowohl bei Nerds, Kids & Culture Freaks ermöglichen.

Liebe 3sat- und sonstige Programmdirektoren – lasst „Bauerfeind“ (Format und Kopf) doch bitte lernen, reifen – und dann mit innovativen CrossFlips ganz vorne auf der Bühne landen.

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WackelCam, Achsensprünge und grosses Kino Februar 5, 2009

Posted by etiennerheindahlen in ARD, Berlin, Berlinale, Fernsehen, Fernsehkritik, Hauptstadt, Journalismus, Kultur, Medien, TV, TV-Sendungen, TV-Unarten.
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Es ist „das grosse Kultur-Ding“ in Berlin und es geht um Film, Filmer und Gefilmte und natürlich – um Kreativität, die Zuschauer berühren und bewegen soll. It’s Berlinale und so freute ich mich, als ich gerade „aus Versehen“ auf „Eins Festival“ das „Berlinale 2009 Tagebuch“ des RBB erwischte. Die Freude währte nur wenige Momente, dann wähnte ich mich in einem Cross-Over-Dummy à la „Polylooks“-Filmästhetik meets „Videosportgruppe Niederkrüchten“ (die Niederkrüchtener mögen mir verzeihen). Zwei Kameras, ein Stativ bzw. eine SteadyCam-Unit. Kleine (und an sich schon sehr feine) HD-Cams im Einsatz und ambitionierte (Jung-?)Kameraleute. WackelCam-Sequenzen wie in den schlimmsten MTV-Pioniertagen Mitte der 80er. Knapp daneben getroffene CloseUp-Einstellungen als Zwischenschnitte in O-Tönen. Haufenweise Achsensprünge und schlicht und einfach nur als Schnittfehler zu bezeichnende Schnittfolgen. Ob der Bruch jeglicher Bild- und Schnittregeln wohl revolutionären Innovationsgeist junger, wilder TV-Kulturrebellen symbolisieren oder gar vermitteln sollte…? Sorry, aber – dann doch konsequenterweise gleich das ganze Format mit ner auflösungsstarken Handy-Kamera drehen.

Klar ist das jetzt äusserst subjektives Kritikastern – allerdings eines nicht eben konventionellen TV-/Videoprofessionellen. Aber es ärgert mich sehr, wenn ich Beiträge oder Formate sehe, deren Bildsprache sich auf reinen „Es-muss-ruckeln-und-zappeln-und-immer-wieder-knapp-daneben“-Aktionismus reduziert.

Wie modern, unerwartet, unkonventionell und vor allem kontextstiftend gedreht und geschnitten werden kann – lässt sich am Beispiel des ARD-Literaturmagazins „Druckfrisch“ (Gestaltung: Andreas Ammer) betrachten. Sicher: Bildsprache und Gestaltungsstil sind in ihrer Bewertung wesentlich von individuellem Geschmack abhängig. Aber gerade weil Regisseure wie Tykwer, Karmakar oder Akin mit ihren Filmen (und hier nicht nur mit Dramaturgie und Story-Entwicklung – sondern vor allem auch mit ihrer Bildgestaltung und Kameraführung) die „Berlinale“ in den vergangenen Jahren wieder zum innovativen Film-Festival renovierten, schmerzt diese Art von filmischer Filmberichterstattung (sorry, aber es wäre verdammt wohltuend, in diesem Zusammenhang den Begriff „Feature“ nutzen zu können) umso mehr.

WackelCam, megacooler Wir-sind-so-respektlos-Anspruch und handwerklich anspruchsvollstes Kino – passen sowas gar nicht zusammen. Lust auf mehr Ausgaben des „Berlinale“-Tagebuchs des RBB kommen da nicht auf. Da klick ich mich im Zweifel lieber durch Blogs und Filmportale.

P.S.: Vielleicht schau ich aber heute nacht doch noch mal rein – ist ja möglich, dass die KollegInnen unter einer Art Premieren-Angst „litten“. Ausserdem: ich bin reichlich neugierig…

Schmerzfrei: ARD-„Tagesschau“ jubelt über Sieg von Doping-Sünder Juni 17, 2007

Posted by etiennerheindahlen in ARD, Doping, Fernsehen, Fernsehkritik, Gesellschaft, Journalismus, Media, Medien, NDR, Politik, Prominente, Radsport, Tagesschau, TV, TV-Sendungen, Zabel.
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Merken die ARD-Sportjournalisten noch was…??? Grad eben in der Tagesschau jubelt ein offenbar euphorisierter Sport-Redakteur und mit kaum zu unterdrückendem Helden-Pathos in der Vertonerstimme über den Sieg von Erik Zabel (jahaaa…genau DEM Zabel) bei der „Tour de Suisse“.

 Doping – war gestern.

Hervorragend inszenierte PR-Pressekonferenz mit Krokodilstränen und soapdarstellerverdächtigem „Schluck…!“-Schweigen – vergessen.

Distanz zu den „sportlichen“ Leistungen der – bis zur verjährungsfristbewussten Geständniswelle – herausragenden Athleten – ach, Spielverderber…die Rad-Helden sind ja schon auch tolle Burschen.

Haben die keine Chefredakteurs-/CvD-Schalten mehr…? Sitzen da keine Journalisten – sondern Verwalter, Manager, Statthalter und willfährige Infotainment-„Macher“ drin? Hauptsache es flimmert auf dem Schirm und wir können uns als Claqueure kollektiven Jubels profilieren…?

Es ist empörend, wie die „Karawane“ weiterzieht. Was schert uns das Doping von gestern – Zabel hat ja sein „Ehrenwort“ gegegeben. Komisch nur, dass Kollege Basso da ein wenig konsequenter war – und prompt gesperrt wurde. Und was tut sich aktuell  seitens des für Sport zuständigen Sicherheits-Minister Schäuble? Im Radsport würde seine eingeschränkte Variante der „Unschuldsvermutung“ wohl eine höhere Trefferquote erzielen.

Aber – Halt ! Es geht ja um „deutsche Helden“. Und die braucht das Publikum, die braucht das gegebenenfalls immer unruhiger murrende Volk. Also – jovial über „Kavaliersdelikte“ hinweg zwinkern und schön Lorbeer-Kränze und „gelbe Trikots“ feiern und preisen. Wobei zum Begriff „gelbes Trikot“ mir seit geraumer Zeit eher „Urinproben“ auf dem Assoziations-Radar erscheinen.

Ach ja: womit werden eigentlich ARD-Sportredakteure und CvDs gedopt, um so schmerzresistent und bar jeglicher Distanz zu unsportlichem und statt dessen millionenschwerem PR- und Werbe-Business den „Dope-und-Spritzen“-Zirkus promoten zu können?

  

„Dirty Harry’s Turn-Out“ – Harald Schmidt schaltet sich ab Juni 16, 2007

Posted by etiennerheindahlen in ARD, Fernsehen, Fernsehkritik, Gesellschaft, Harald Schmidt, Kabarett, Medien, Pocher, Prominente, Satire, Schmidt, TV, TV-Sendungen.
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Es war ein vorhersehbarer Abschied: spätestens seit der Bekanntgabe, daß ARD-Late Night-Talker Harald Schmidt künftig einmal pro Woche im Doppel mit Oliver Pocher („Vollidiot“) im „Ersten“ zu sehen sein würde http://www.presseportal.de/print.htx?nr=985773 , ahnten aufmerksame Zeitgenossen den Rückzug des Kabarettisten. Nun ist es quasi „amtlich“: gegenüber dem „Spiegel“ erklärt Harald Schmidt, daß er keine „Lust auf Late-Night-Shows“ mehr habe. Begründung: „Man hat dann irgendwann nichts anderes mehr, auf jeden Fall nichts, was einem Privatleben noch ähneln würde“.  http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,488972,00.html 

Moment Mal. Wie war das? Late-Night-Auftritte ruinieren das Privatleben…? Wie war das mit Schmidt? Begann die Karriere der einstmals skalpellscharfen Kabarett-Coryphäe nicht mit allabendlichen Auftritten auf den Kleinkunst- und Theater-Bühnen der Republik? Wie anders werden Kabarett-Programme gespielt als Abend für Abend vor meist überschaubaren Publikumsmassen? Bedeutet das für regelmässig auf Tournee gehende Künstler ein – teilweise monatelanges – Leben aus dem Koffer in stereotypen Ketten-Hotels , so können Artisten mit festem Engagement immerhin an ihrem zumindest temporären Lebensmittelpunkt so etwas wie ein Privatleben führen. Umso mehr, wenn sie statt täglich nur an einem oder zwei Abenden in der Woche in die Arena steigen.  Andererseits: Satire und Kabarett sind nicht per Knopfdruck oder semantischer Algoritmen reproduzierbar…Schmidt sei…nein, Gott sei Dank.

Beissender Humor, intelligente Satire und hintergründiger Zynismus wachsen allerdings nicht auf Substrat-Böden einer professionell brainstormenden Redaktion – sondern immer auf dem Humus eines Querdenkers und gesellschaftlichen Geisterfahrers. Dessen aufgeblendetes Fern(seh)-Licht zumindest einen Teil der im Verkehrsstrom eingeordneten Teilnehmer zweifeln lässt, w e r  denn jetzt in der falschen Richtung unterwegs ist (Kalauer: „Ein Geisterfahrer….? Tausende, Tausende…!“). Doch jahrelanger Bleifuß auf der gegenläufigen Überholspur verursacht irgendwann Taubheitsgefühle in der Fußsohle. Und Satire kann wohl nur dann permanent entstehen, wenn der Satiriker nicht nur auf dem Boden des real existierenden Alltags-Gagaismus wandelt – sondern die Schlaglöcher und Stolpersteine auch noch spürt.

Die „Harald Schmidt Show“ im „Ersten“ hatte sich bald schon vom Gagaismus zum Dadaismus gewandelt. Teils eher sinnfrei, teils immer noch von Schmidt’schen Astral-Blitzen über dem Grauen der „Comedy“-Inflation weithin strahlend. Doch zuletzt war vieles zum murmeltierischen Ritual ermattet – der ARD-Vertrag befiehlt Satire: „Zu Befehl, Satire ausführen…Jawoll!!“   

Ich befürchte, daß unsere Gesellschaft – und nicht nur eine nach Scharfzüngigkeit und geistreicher Meinungs-Anarchie dürstende Minderheit – mit dem offensichtlichen (und zumindest befristetem) Rückzug von Harald Schmidt in sein Privatleben ein wenig mutloser wird. Es wird weniger der „ARD-Vorzeige-Hofnarr“ fehlen – sondern der Ur-Schmidt und sein in besten Zeiten valentineskes Querdenkertum. Ob schöpferische Pause oder Neu-Erfindung: relax, enjoy and come back, Mr. Schmidt.

ARD-Tagesthemen: „Tornado“-Kommentar von Joachim Wagner Juni 13, 2007

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Es gibt sie noch: Journalisten, die sich nicht von wem auch immer einnebeln oder korrumpieren lassen. die Klartext reden und ihr Wächter-Amt ernst und wahr nehmen. Soeben sprach in den ARD-„Tagesthemen“ Jochaim Wagner (NDR) einen ebenso geharnischten wie intelligent analysierenden Kommentar. Zitat aus Wagners Fazit:“…Wehret den Anfängen – politisch wie rechtlich…“

 http://www.tagesthemen.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID6919674_TYP6_THE_NAV_REF1_BAB,00.html

Chapeau, Kollege Wagner. Auch wenn so manch anderem Journalisten der Lobbyisten-Champagner vor Schreck über diesen selten deutlichen Kommentar über den Dreiteiler gespritzt sein mag – umso besser. Denn wenn es an den eigenen Frack geht, werden wohl auch die Arrangiertesten unseres Berufsstandes (klingt altmodisch – beinhaltet aber höchst demokratische Werte) aufmerken – oder aufmucken.

 Auf Joachim Wagner und seine klugen, mutigen Worte erhebe ich mein Glas Holunder-„Bionade“*…!

*Nee nee, mein Blog wird nun nicht beworben – diese Limo perlt einfach gut.

Aktualisierung: Dank „pn“’s Kommentar beim Spiegelfechter kann man sich den Kommentar ansehen und -hören, so man die gestrigen „Tagesthemen“ verpasst hat:

http://www.spiegelfechter.com/wordpress/162/wenn-satire-wirklichkeit-wird#comment-2228

Quo Vadis Fernsehen – eine halb-theoretische Grundlagen-Betrachtung Juni 12, 2007

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Und so irren sie zweifelnd und trotz aller unsicheren Fragen scheinbar strotzend vor Selbstbewusstsein (oder doch die schiere Arroganz = Unsicherheit) durch die Zukunft der Medien, der Gesellschaft und der Medien-Gesellschaft: die „Macher“ des bundesdeutschen Fernsehens. Auf den „40. Mainzer Tagen der Fernsehkritik“ stellten altbekannte Medien-Köpfe und moderne Zeit-Geister in Vorträgen, Interviews und Board-Diskussionen wieder mal die Kompaß-Frage. „Wohin geht das Fernsehen – wohin gehen seine Zuschauer?“ http://www.epd.de/medien/medien_index_50311.html 

„Fernsehen im digitalen Wettbewerb“ lautete eines der Konferenz-Mottos. Wie sich das bundesdeutsche Fernsehen – egal ob öffentlich-rechtlich oder werbefinanziert – im „digitalen Wettbewerb“ behaupten kann oder will, beantwortet es seit Jahren selbst: denn schon im „analogen“ Wettbewerb stochern Programm-Verantwortliche und Entwickler mit dürren Stöcken im Nebel. Serien- oder Lizenz-Einkäufe, Spin-Offs, Adaptionen von „Erfolgs“-Formaten anderer Sender – mehr haben deutsche Fernsehmacher nicht zu bieten. Dazu eine „Try-and-Error“-Mentalität, die ihresgleichen sucht. Wer sich die Zahl der allein seit Jahresbeginn an die Wand gefahrenen Eigenproduktionen deutscher Sender anschaut, der zweifelt am auch nur ansatzweisen gesunden „Hausverstand“ der Fernseh-Manager.

Und genau darin ist ein Teil der Misere zu orten: wieso haben wir so viele „Medien-Manager“ und so wenige „Medien-Macher“. Im Unterschied zu dem koordinierenden, planenden und verwaltenden Manager entwickeln Macher. Und das tun sie auf der Grundlage ihres Wissens und ihrer Wahrnehmung der Bedürfnisse der potentiellen Zuschauer, Leser, Hörer. Solche Bedürfnisse aber sind zweifellos nicht ausschliesslich aufgrund einer Unzahl an Statistiken und Befragungen wahrnehmbar.

Eine der unverzichtbarsten Eigenschaften eines „Medien-Machers“ sollte die höchst persönliche Sensibilität für die Stimmungen, Interessen und Entwicklungen in der Breite des Publikums sein. Die Legenden der deutschen Nachkriegs-Medienlandschaft wie Axel Caesar Springer, Werner Friedmann oder Henri Nannen machten ihre Blätter fast schon intuitiv (wie ich mal irgendwo gelesen habe: „mit dem richtigen Gefühl im Hintern“). Aber sie bewegten sich auch mitten in der Gesellschaft und ihr Begriff von „Gesellschaft“ reduzierte sich nicht auf den heute „Society“ genannten schmalen Ausschnitt einer relativ privilegierten und ganz und gar nicht repräsentativen Oberschicht. Oder jene Party- und „VIP-Event“-Besucher, die qua Gästeliste zu dieser zu gehören meinen.

Ich habe mich in den letzten zehn Jahren in unterschiedlichsten Redaktionen immer wieder mit der Frage, wann sie denn „das letzte Mal mit öffentlichen Nahverkehrsmitteln unterwegs waren, in einer ganz normalen Kneipe ein Bier getrunken und „den Leuten“ zugehört“ haben, unbeliebt gemacht. Die Legenden des Journalismus – wie Egon Erwin Kisch und Ernest Hemingway – schrieben ihre bis heute lesenswerten Reportagen nicht aus Pressekonferenzen oder den Salons der „Gesellschaft“…sondern sie beobachteten und nahmen Menschen wahr, denen sie im sich eben nicht exponierenden Teil der realen Gesellschaft begegneten. Und zeichneten damit Bilder von Zuständen und Momenten der Zeitgeschichte, die heute gerne als zeitgenössische Sittengemälde bezeichnet werden.

Wer sich in den Medien – mehr oder weniger führend – betätigen will, der darf sich keinesfalls in eine freiwillige Isolation von seinem Publikum begeben. Die „Medien-Ghettos“ der Gegenwart aber bedingen genau eine solche Isolation. An die Stelle von Sensoren, eigener Wahrnehmung und Gespür für Stimmungen und Entwicklungen sind dafür Medien- und Freizeit-/Zukunftsforscher und Marktforscher getreten, die letztlich auch nur – als „repräsentativ“ bezeichnete – Statistik-Modelle und Befragungs-Kataloge vorzuweisen haben. Auf deren Interpretationen sich dann wiederum die Medien-Macher beziehen, wenn es um die Grundlagen der Entwicklung des Medien-Angebots in ihrem Verantwortungsbereich geht. Feigenblätter mit einer zwar durchaus realen Struktur – aber gänzlich ohne kohärente Textur.

Die Basis der Medienangebote sollte dem Zustand der breiten Gesellschaft entsprechen und das Publikum dort abholen. Seit geraumer Zeit aber fuhrwerken die Medien – und zwar vornehmlich unter Ansprache jener Reflexe in unserem Verhalten, die wir als „Unterhaltung“ wahrnehmen oder auch nur konsumieren – mit teilweise surrealen Konstrukten in der Gesellschaft herum. Die meist nur „in diesen Kreisen“ erstrebte Erlebniswelt der Medienmacher entspricht so wenig der Realität eines breiten Publikums – wie die Sorgfalt,  neutrale Berücksichtigung von Hintergründen oder der Respekt vor Protagonisten den Forderungen nach intelligenter Unterhaltung oder objektiver Beobachtung und Berichterstattung im Kern eines wesentlichen Journalismus. Die Medien schaffen aus Ignoranz (oder noch schlimmer: als nicht selten kommerziell motiviertem Kalkül) Image-Stereotypen und künstliche Werte – und wundern sich dann, wenn das Publikum (sprich: die Gesellschaft) diesen nicht entsprechen oder annehmen kann. Oder will. Werte und Maßstäbe für Entwicklung oder Umgang mit der eigenen Existenz werden von den Medien immer häufiger in scheinbar „für jedermann“ adaptierbaren Vorbildern präsentiert – obwohl diese Vorbilder dann doch nur eher scheinwirkliche Simulationen sind. Das ist dann so wie in der ARD-Telenovela „Sturm der Liebe“, in deren Studio-Kulisse der Hotel-Aufzug direkt in die Treppe zum ersten Stock fährt. Der Zustrom frustrierter Medien-Nomaden in der virtuellen zweiten Chance der „Second Life“-Galaxis ist ein – wenngleich vermutlich zeitlich befristeter – Ausbruchsversuch aus dem simulierten Realitätsspiegel der etablierten Medien.

Bürger-Journalismus oder all die Angebote des Web 2.0 mit ihren „user-generated contents“ könnten hier ein Korrektiv zu den offensichtlich realitätsfernen Entwicklungen der etablierten Medien darstellen. Zumindest entstammt ein gewisser Teil der Beiträge aus diesen „demokratisierten“ Medien der Originärität der sich darstellenden Persönlichkeiten und bildet zweifellos eher eine Wiedergabe realen Lebens, Strebens und alltäglicher Umwelt dar. Die in so vielen Bereichen der Gesellschaft und der Berufswelt erwünschte Authentizität ist jedenfalls in den Web 2.0-Medien eher zu finden als in den konstruierten oder geschönten Abbildungen der Massenmedien.

Zurück zur Wahrnehmungs- und Entwicklungs-Krise der Medien. Das allgemeine Heil der Branche kann sich nicht auf TV-Formate „mit Nutzwert“ (wie z.B. „Super-Nanny“, „Der Schuldenberater“ oder „Das perfekte Dinner“) berufen. Zumal diese eher „sozial-pornographische“ oder voyeuristische Aspekte beinhalten. Wer in dieser Frühzeit der „demokratischen Fernseh-Revolution“ nicht mit sinn- und wertvollen, Realität entsprechenden und letztlich hochqualitativen Angeboten die sich immer stärker fragmentierenden Publikumsgruppen wahrnimmt, wird sich im Strudel künftiger Verwertungs- und Konsolidierungsspiralen bald sehr weit unten wiederfinden.

Die Wahrnehmung des Publikums und der Respekt vor diesem eigentlichen Souverän der Medien lernt und realisiert zur Zeit die britische BBC in beispielhafter Form. Dort werden auf digitalen Plattformen neue Brücken zwischen Journalismus (als demokratisch-gesellschaftlicher Grundfunktion), Unterhaltung und Bildung gebaut. Refinanzierbar und somit ökonomisch sinnvoll. Fragmentiert und somit den sich immer stärker aufsplitternden Patchwork-Gesellschaften entsprechend. Inhaltlich mit allen Wahrnehmungsorganen an den Entwicklungen und Strömungen des Publikums – ohne dabei dem Publikum scheinbar nach dem Mund zu reden und es dabei mit immer neuen Virtualitäten zu manipulieren.

Die „Tage der Fernsehkritik“ täten gut daran, sich spätestens für den 41. Veranstaltungs-Zyklus mit einer Neu-Orientierung der Aufgaben, der Wahrnehmungen und der Selbst-Postionierung der Medien und ihrer Macher zu befassen. Damit aus Verwaltern wieder Entwickler und Köpfe werden.

Bildschirm-Drang Juni 3, 2007

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Zur Professionalität von Fernseh-Journalisten, die „on Air“ – sprich: auf dem Bildschirm – zu sehen und ebenso zu hören sind, gehört zweifellos die Beherrschung der Artikulation unserer Landessprache. So manchem Tele-Kopf wurde eben diese Befähigung offenbar nicht in den Mund gelegt – aber immerhin hätte eine korrekte hochdeutsche Aussprache zwischen Kindergarten und Sprech-Ausbildung erlernt werden können.

Und ohne jede Einschänkung kann man eine solche Basisqualifikation erwarten, wenn sich der Leiter eines Hauptstadt-Studios einer Arbeitsgemeinschaft von (öffentlich-rechtlichen)  Rundfunkanstalten offenbar berufen fühlt, jeden Sonntag der erstaunt zusehenden und gebannt lauschenden Nation den „Bericht aus Berlin“ zu erstatten.

Aber dieser „Spitzen-Fernsehmann“ (dem zur – erneuten – Übernahme der Hauptstadt-Agenden sogar recht befremdlich anmutende Teaser gewidmet wurden) artikuliert das nicht sonderlich fremdsprachige Wort „Afrika“ so, dass es seiner Aussprache nach mit zwei „f“ und einem „ck“ – also „Affricka“ oder „affrickanisch“ zu schreiben wäre.

Auch das ganz normale Aufsagen (oder vom Teleprompter ermöglichte Ablesen) vollkommen simpler Anmoderationssätze vermag der profilierte TV-Kopf nicht ohne sinnverschleiernde Betonungen oder teils besorgniserregende Atempausen zu praktizieren.

Stellt sich die Frage: w e r  zwingt diesen armen Kollegen zu dieser Sonntag für Sonntag zu besichtigenden Fron? Denn etwaige Originalität journalistischer Ansätze oder gar bohrende und insistierende Interview-Nachfragen à la Plasberg können als Rechtfertigung für die Bildschirm-Präsenz dieses Herrn nicht angenommen werden. Also kann es nur einen Grund geben: es ist das Amt.

Aber sollte nicht jedes Amt immer nur von dem Geeignetsten, dem für seine Wahrnehmung unbestritten Kompetentesten wahrgenommen werden?

Die Berichterstattung über Politik sollte in den Fernsehsendern unseres Landes nicht von Amts- oder Funktionsträgern wahrgenommen werden – sondern von journalistisch herausragenden Köpfen. Dazu sind Ressort und Thema einfach zu wichtig, als daß Profilorientierte statt Berufene diese Grundfunktion einer modernen Demokratie wahrnehmen.